Tag 35

Finisterre – Samstag, der Ausflug

Bis zum „Ende der Welt“ kann man den Jakobsweg weiter gehen, cirka 89 Kilometer mehr, auch hier befindet sich ein 0-Kilometer-Stein, oder mit dem Bus eine typische Touristenführung machen. In der Euphorie der ersten Kilometer dachte ich noch: das nehm ich gleich mit. Bin ich bis ans Ende der Welt gegangen. Aber meine Füße waren anderer Meinung. Keinen überflüssigen Meter wollten sie sich mehr bewegen. Also die Touri-Variante mit: wir steigen jetzt aus, Foto rechts, Foto links, wir steigen wieder ein und weiter geht’s. Ganz so schlimm war es dann doch nicht, aber man kann sich das so ungefähr vorstellen, typisches Klientelle inklusive. Die Reiseführerin, Uschi, war aber sehr nett, informierte auf Spanisch cirka 15 Minuten lang und auf englisch 2. Trotzdem möchte ich euch meine Stationen nicht vorenthalten:

1. Stopp Ponte Maceira

Hier gibt es eine berühmte Brücke und die Legende besagt, dass eine Frau geflüchtet ist und bevor die Verfolger sie erreichen konnten, die Brücke eingestürzt ist und sie somit gerettet war. Wer die Frau war hab ich weder von Uschi noch von Mr.Google erfahren.

2. Muros an der Costa da morte

Hier gibt es einen Felsen der seltsamer Weise von den Alpen stammen soll. Muros ist ein kleines Fischerdorf in dem sogar das Wasser im Hafen glasklar ist. Den Namen erhielt die Küste wegen ihrer schwierigeren Bedingungen, die so manches Matrosenleben gefordert hat.

Studie einer Möwe

3. Carnota

In Carnota haben wir den größten Oreo gesehen. Oreos (nicht die Kekse) gibt es in Galizien sehr häufig. Es sind Getreidespeicher, die auch heute noch für die Lagerung von Lebensmitteln verwendet werden. Sie haben eine spezielle Bauform um Regen und Ratten fern zu halten. Natürlich bedeutet seine Größe auch ein Statussymbol. Und der Größte gehört….. Überraschung! – der Kirche.

Oreo mit Uschi

4. Ezaro

Hier gibt es einen Wasserfall des Flusses Rio Xallas, der vom Berg Monte Pino in den Atlantik fließt. Meine Beine verstehen momentan überhaupt nicht warum sie sich so viel bewegen sollen. Außerdem vermissen sie anscheinend meine Wanderstiefel und ich stakse seltsam herum. In den Bus hinein sind es immerhin 3 Stufen. Das muss man einmal bewältigen… Der Wasserfall ist trotzdem grandios.

5. Finisterre, oder Fisterre, wie es auf galizisch heißt.

Das Ende der Welt zeigt sich umwölkt. Aber das ist kein Wunder, ist Galizien doch die regenreichste Provinz, wie Uschi erklärt. Da ist London die Sahara dagegen. Ich habe nichts dagegen einzuwenden, denn mit dem Regen hier in Galizien von links, von rechts, von oben und fast von unten habe ich in der letzten Woche reichlich Bekanntschaft gemacht. Heute zeigt sich das Ende der Welt deshalb nicht. Es ist nämlich so bewölkt, dass man kaum den Atlantik ausmachen kann.

Tradition ist es, in Finisterre seine Wanderschuhe, mit denen man den Weg bewältigt hat, bei dem Kreuz anzulegen und seine Kleidung als Zeichen der Reinigung zu verbrennen. Ich unterlasse jedoch Beides.

Das Gute an Finisterre: hier ist Mittagspause. Uschi empfiehlt zwei Lokale (sie bekommt WIRKLICH keine Provision…). Ich wähle natürlich das mit den „wirklich tollen Fischen“. Wenn schon, denn schon. Zu meiner Entschuldigung: es ist ausgezeichnet (marinierte Sardinen auf hauchdünnem Knäckebrot und Jakobsmuscheln), und der Ausblick ist einfach wunderschön. (Nicht der hier unten!)

Hier nimmt einer das Pilgern sehr ernst. Die Hard-Core-Pilger wandern ja die letzten 100 Kilometer barfuß…. hab ich auch nicht gemacht. 🫢

6. Muxia

Von Muxia aus soll man das schönste Sonnenuntergangs-Erlebnis haben. Ist bei mir zeittechnisch leider nicht möglich. Muxia ist für mich trotzdem das Highlight des Tages.

Um 19.30 ist Schluss. Wir sind entlassen. War ein toller Tag.

 

Ein Kommentar zu „Tag 35“

  1. Avatar von Marianne Frömmel
    Marianne Frömmel

    Natürlich wieder faszinierende Bilder, aufschlussreiche Erklärungen, scharmante Erzählweise. Einfach sehr erfreulich zu lesen👍

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