Nájera – Santo Domingo de la Calzada
Ich beginne mit einem Nachtrag zu gestern. Meine gestrige Erkenntnis war, in jeder Situation auch etwas Gutes zu finden.
Zum Abendessen bekommt man vom Hotel, wenn es kein eigenes Essen bieten kann, einen Voucher für ein bestimmtes Restaurant wo man dann abends essen kann. Gestern war der Gutschein für „El Buen Yantar“. Klang vielversprechend. Ich bekam einen Tisch, und, da Muttertag, orderte „una copa Cava“ (ein Glas Sekt). No. – Gut. Dann vino tinto por favor. Und Mineralwasser. No. Nur sin gas. Auch gut. Auf der Karte: nur Fleischgerichte. Alle 3 Fischgerichte waren aus. Deshalb gab es für mich als Vorspeise gekochte Kartoffel und als Hauptspeise Nudelsalat – das waren eigentlich nur kalte Nudeln mit zwei Scheiben Tomaten. Ich war, gelinde gesagt, angepisst. Nach einem langen Wandertag ist das Abendessen das kulinarische Highlight, und dessen wurde ich gerade beraubt. Dann dachte ich über den vergangenen Tag und meine Erkenntnis nach und bemerkte, dass eine Kellnerin alleine alles managte für ungefähr 15 Gäste: sie teilte Tische ein, brachte Essen und Getränke und dann sah ich sie noch hinten ein Steak zerhacken und grillen. Das alles zwar nicht super freundlich, aber sie machte ihren Job. Und in dieser Stunde in der ich ihr zuschaute, hat auch sie ein gutes Stück vom Jakobsweg erledigt.
Was also ist das Gute an dieser Situation? Ich bin satt. Es war nicht das kulinarische Highlight, aber der Rioja war sehr gut. Die Kellnerin/Köchin hat ihr Bestes gegeben und es wäre falsch gewesen meinen Groll an ihr auszulassen. Manchmal ist es wohl besser seine Ansprüche etwas hinunter zu schrauben.

ps: das war die Nachspeise….
Meinem Koffer möchte ich heute eine kleine Wellness-Behandlung zuteil kommen lassen. Langsam mache ich mir Sorgen um ihn mit seinen Dellen und seinem welligen Zipferschluss. Ob das noch lange gut geht mit ihm? Also räume ich alles aus und packe ihn, schön sortiert, wieder ein. Ja, Wellness braucht eben seine Zeit! Er dankt es mir aber und lässt sich kommentarlos schließen. Ui, so spät schon. Schnell zum Frühstück. Das Croissant ist heute keine Erwähnung wert, aber mit Butter erreicht es doch eine 3. Obwohl: ich hab jetzt ganz klebrige Finger und das mag ich gar nicht. Also doch eine 4.



Nach 6 Kilometern erreiche ich Azofra, den ersten kleinen Ort des Tages. Ich möchte noch keine Pause in dem Café machen, aber da mich die Wegbeschreibung warnt: „Die nächsten 10 Kilometer kein serviçio!“, habe ich gleich Angst elendiglich zu verhungern und will mir etwas Proviant besorgen. Es gibt einen kleinen Laden in welchen ich mit meinem Rucksack kaum hinein passe. Betrieben wird er von einem in die Jahre gekommenen Paar, dem die Freundlichkeit ins Gesicht geschrieben steht. Das Sortiment ist „flach und breit“ – würde man im Marketing sagen. Es gibt von einem Stück Käse (das gehört jetzt mir) über Zement zu Haushaltskleid alles, was das Herz begehrt. Sie keift ihn an, weil er nicht sofort meinen Käse herausrückt, er knallt ihn auf die Budel und wendet sich wieder dem Sortieren seiner Schuhbänder zu – vor sich her grummelnd, wahrscheinlich keine netten Dinge. Ich nehme mir noch ein Packerl Datteln, deren Ablaufdatum ich lieber nicht herausfinden will. Als ich beim Zahlen dann noch um ein Sackerl bitte, fängt sich ihre Oberlippe zu kräuseln an.
Nein, so will ich nicht enden. Lieber ein paar Lachfalten mehr als so ein verbiestertes Dasein zu fristen!

Ich wandere munter weiter, arbeite an meinen Lachfalten, und finde dieses lauschiges Plätzchen, an dem ich meinen Käse genieße.

Nach zehn Kilometern, die wie im Flug vergehen, lande ich in Santo Domingo de la Calzada …. das ist mal ein Namen für eine Stadt! Dieser Santo Domingo hat sein Leben den Pilgern gewidmet, einige Krankenhäuser und Brücken gebaut, und ihm ist diese schöne Kathedrale gewidmet.



Es gibt dann noch die Geschichte von wieder auferstandenen Grillhendln, aber die lest bitte selbst nach. – In Spanien gibt es auch ein Sprichwort dazu: „Santo Domingo de la Calzada – wo das Huhn sang, nachdem es gebraten wurde.“ – Ich bin überzeugt, jeder von euch liest jetzt diese Geschichte nach! 😅
Jetzt sitze ich gemütlich neben der Kathedrale und hole meinen Cava nach! – Das hab ich mir verdient!

Meine heutige Erkenntnis: lieber lachend als biestig durchs Leben gehen.
Mein heutiger Tag: 26,12 Kilometer, 36.171 km, 1187 kcal – ich weiß nicht, wo ich mich immer rumtreibe; laut Beschreibung sollten es nur 21 Kilometer sein!


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