Tag 3


Akerreta – Pamplona

Ein Croissant muss lauwarm sein um seine Köstlichkeit voll entfalten zu können. Erst dann duftet es nach Bäckerei und erzeugt durch die Nase seine wahren Glücksgefühle. Das heutige erhält deshalb, weil kalt, Schulnote 2.

Vorsichtig beginne ich also meinen dritten Abschnitt. 500m …. alles gut. Das Knie hält. Auch ohne 3 Wetter-Taft. Doch dann, ab Kilometer 1: auaauaauaauaaua…. ich lerne: Schmerz fokussiert. Vorbei die Freude über die Schönheit der Natur, die Vögel haben anscheinend aufgehört zu singen, der Blick ist nach unten gerichtet, ich bin ein einziger Schmerzpunkt. Ein hellblauer, humpelnder Schmerzpunkt. Aber das kann doch nicht sein, bitte. Also Rucksack runter, 2 Thomapyrin einwerfen, Wanderstock suchen und langsam weiter. Schmerz ist auch nur irgendein Gefühl. Das kann man wegdenken. Deshalb lautet mein Mantra: ein Schritt nach dem andern. Das sind 6 Schritte pro Mantra, 1800 Schritte pro Kilometer, also cirka 300 mal aufgesagt, für 3 Kilometer also 900 Mal (solche Berechnungen macht man, wenn einem etwas fad in Kopf ist! Probiert es aus!). Und, was soll ich sagen: es wirkt. Ob Mantra oder Tabletten, der Blick hebt sich wieder, die Vogerl fangen wieder an zu zwitschern, ich atme plötzlich wieder den Wald und die Mundwinkel rutschten nach oben. Ein Schritt nach dem andern. Langsamer zwar, aber immerhin. Nach zwei Stunden: Pause. Fuß hoch, das gibt mir Zeit, diese Zeilen zu schreiben. Und, direkt neben mir, dann sehe ich sie: die Füße einer jungen Deutschen, die sie am Stein nebenan auspackt. Und da werde ich ganz still, und bin froh über mein bissl Knieweh. Sowas von bösen und zerstörten Füßen hab ich noch nie gesehen!! Das ist ja kein Fuß mehr, das ist ein Zustand ständigen Schmerzes! – Das sah wirklich schlimm aus, Gabi! (meine liebe Freundin macht sich immer lustig über meine „Blasen“, die ich eigentlich gar nicht hab. Nur kleine rote Flecken, die aber auch…weh tun, halt)

Weiter geht’s. Es fängt an zu regnen, also mein lustiges kariertes Regencape an, mitleidig lächelnde Blicke der Mit-Pilgerer inklusive,  eine kleine Kapelle in Arro entdeckt, da geh’n wir rein, hab ja sonst nix zu tun, und es regnet. Bin dann froh darüber, wirklich sehr hübsch hier. Was will mir der Heilige neben Jesus sagen? Ist das Petrus? Arro, der erste richtige Ort, mit Apotheke, mich mit Iboprofen und Voltadol eingedeckt, und dann eine Bar abseits gefunden. Una copa  rosado. Das muss jetzt sein.  Muss mich belohnen.  Für….. keine Ahnung. So. Jetzt geht’s beschwingt weiter!

passt, oder? 😀

Endlich in Pamplona angekommen… denke ich. Im Botanischen Garten beobachten mich zwei Pfaue. Ich folge den Hinweisen am Boden, allerdings ist mein Hotel noch 4 Kilometer entfernt. Zwei Chinesen kommen: „You are wrong! You must follow the signs!“ – Na, was glaubst, mach ich, g’scheiter Chines´? Zwei Kilometer später fällt mir auf, dass ich schon länger kein „sign“ mehr gesehen hab, die Blicke entgegen kommender Stadtmenschen immer wunderlicher werden, und ich mit meinem Cape ausschau, wie der Almöhi auf der Mahü. Ein Spanier erbarmt sich meiner: „You are wrong!“ Aaaha. „But you can go ahead, it’s just a little bit longer to go!“ – Es gibt Taxis in Pamplona!

Tag 3: 20,4 km, 5h 59′, 1.828 kkcal;

Erkenntnis des Tages:
1.: Manchmal soll man Chinesen glauben.
2. ICH HASSE MEINEN KOFFER!


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