Tag 16

Frómista – Carrión de Los Condes

Noch ein Nachtrag zur gestrigen Massage – es war eine Fußreflexzonenmassage. Sonst bin ich eher der Typ: je fester desto besser. Aber Alicia gestern begann damit ihre Hände auf meinen Körper zu legen und ihn sanft hin- und her zu bewegen. Auch meine Füße berührt sie nur ganz leicht, drückte kaum spürbar und sagte dann:  your knees hurt! Sie wusste also, was sie tat. Zum Abschluss riet sie mir am Camino darüber nachzudenken, warum mich meine Knie schmerzten. – Das hätte ich ihr allerdings selbst sofort beantworten können!

Heute morgen erwache ich seltsam leicht. Ich beschließe ein paar von Aarons Übungen zu probieren und von nun an etwas langsamer unterwegs zu sein. Schließlich ist ja der Weg das Ziel!

Nach 8 Kilometer Rast in Revenga de Campos. Dort treffe ich das deutsche Paar wieder wo die Frage der Wahl des perfekten Shirts um 5 Uhr morgens anstand. Er trägt mittlerweile Vollbart, sie das grüne Shirt. Sie gehen gerade und ich sehe,  dass er ihren Aufbruch mit Videokamera dokumentiert, zur Motivation rufen sie gemeinsam:  „Sido am Camino“ – oder so.  Ja, eh…

4 mal abgesichert: ich bin am richtigen Weg!

In Villalcázar de Sirga mache ich Mittagspause in einer Bar neben der Kirche Santa Maria La Blanca. Ich gönne mir Oliven (die spanischen sind viel besser als die griechischen,  glaubt mir) und Queso. Den hat er selbst gemacht (oder aus dem Supermercado – war auf jeden Fall sehr gut).

Ich will die Kirche besichtigen zum Schnäppchenpreis von 1 Euro,  aber sie sperrt gerade zu. Hier haben auch die Kirchen Mittagspause. Ich treffe das deutsche Paar wieder. Er läuft videodokumentierend durch die Gegend, hört gleichzeitig am Handy die Beschreibung der Kirche und teilt seine Erkenntnisse gleich seiner Partnerin mit. Und das nicht zu leise. Er verwendet Sätze wie:  „Und da habe ich mich am Ende des Tages doch tatsächlich gefragt, ob das doch wirklich eine Möglichkeit sein könnte oder eher doch nicht.“ Wir Wiener würden an dieser Stelle sagen: „Echt?“ – Manche Menschen brauchen eben viele Worte.

Ich muss die Deutschen jetzt leider für die nächsten 6 Kilometer verfolgen und bin sehr erleichtert, dass sie in Carriòn de los Condes ein anderes Hotel ansteuern. Noch eine frühmorgendliche Grundsatzdiskussion brauche ich nicht!

Waschtag

Heute ist wieder Waschtag, meine Wäsche hängt segensvoll direkt vis à vis der Kirche.  Na, wenn das nicht wirkt!

Es ist 18.20 und die Kirchenglocke direkt gegenüber bimmelt. Mich hebt’s aus dem Bett. Fast fühle ich mich ganz wie zu Hause. Im Zimmer kann ich nicht bleiben, will ich keinen Hörschaden riskieren, also geh ich halt hinüber in die Messe. Die Kirche ist aber leer, seltsamer Weise spielt aber der „Ballsirenenwalzer“ vom Band. Ein Kerzerl für Mama noch. Ich will schon gehen, da fängt eine Frau den Rosenkranz zu beten an. Ich setze mich und höre zu. Die Kirche füllt sich zusehends, alle beten mit, eine halbe Stunde lang.  Jetzt geh ich aber wirklich. Da zischt die Rosenkranzfrau „pscht“ zu zwei Tratschtanten vor mir. Jetzt trau ich mich nicht mehr zu gehen. Gebimmel, dann kommt auch schon der Pfarrer, und die Messe geht los. Es geht zügig voran, die zwei Tratschtanten sammeln die Kollekte ein, die Klosterschwestern singen während der Gabenbereitung, Herr Pfarrer gibt persönlich die Hand zum Friedens-Segen, fertig. Wenn das in Österreich auch so schnell ginge, wären die Kirchen voll. Nun bin ich also gesegnet und kann zum Abendessen gegenüber in mein Hotel. Mahlzeit!

Erkenntnis des Tages: nur, weil man viel sagt, muss man nicht auch viel zu sagen haben.

Heutiger Tag: 23,88 km, 34.526 Schritte, 5h 10′, 1.080 kcal;

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