Portomarín – Palas de Rei
8.15 Uhr. Massen strömen aus ihren Hostels Richtung Camino. Ich ströme mit. Der Vorteil ist: man kann sich nicht verlaufen. – Soll ja schon einmal passiert sein.


Heute herrscht dichter Nebel. Dient als Sicht- und Schallschutz, sehr sympathisch. Die Cafés entlang des Weges sind allesamt überfüllt, die Wirte gestresst, für eine Dose Cola 10 Minuten anstehen.



Ich muss hart an mir arbeiten um mir meine erkämpfte Gelassenheit aufrecht zu erhalten. So sehr kann man sich gar nicht mit sich selbst beschäftigen, dass das dauernde Gewusel und Geschwätz nicht auf die Nerven geht.
Ich gehe weiter und mache mir über die Situation Gedanken. Ich habe noch vier Tage zu gehen. Es kann doch nicht sein, dass ich mir jetzt, so knapp vor dem Ziel meine Ruhe und Entspanntheit rauben lasse! Ich mache Atemübungen, und tatsächlich habe ich eine Idee: ich werde diese letzten vier Tage als Test sehen. Als meine Pilger-Matura. Ziel ist es, die äußeren Umstände hinzunehmen und mich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Hurra, ich habe einen Plan und das ist gut. Motiviert wandere ich weiter. Und, sieh an, rechts kommt eine Bar, kein Mensch da.

Ich biege sofort ab, Pause ist angesagt. Auch der Wirt erweist sich als überaus nett, das Bocadillo als riesig. Anscheinend muss man das Gute nur sehen wollen!

Ich schau jetzt gerade ganz genau um das Gute an 8 Kilometer Asphaltstraße bei 28 Grad ohne Schatten zu sehen. Brauche aber anscheinend eine Brille. Die laute spanische Touristengruppe und die amerikanischen Studenten machen mir momentan gar nichts aus. Aber es ist gerade so was von heiß. Mein Rücken verschwitzt, das Wasser ist lauwarm und schmeckt nach Chlor und die Steine in den Schuhen werden immer mehr. Ich fange an zu pfeifen: „Eisgekühltes Coca-Cola….“ Das ist wunderbar, kann man in Endlos-Schleife tun. Ich schaffe es 55 Minuten lang. Dann: eine Bar! Ich hab zwar nur noch 35 Minuten, aber ich kann keine Sekunde mehr länger. Hinein und eine Sangria. Jetzt geht’s besser!
In meinem Hotel geht’s mir gleich noch ein bisschen besser als ich die Dusche sehe.

Ich brauche zwar eine Zeit lang um die Technik zu durchschauen, aber dann bin ich 15 Minuten lang sehr beschäftigt.
Ich finde ich habe den heutigen Tag bestanden. Zwar nicht mit Bravour, weil das ein oder andere Gemecker schon dabei war, aber ein 3er sollte sich schon ausgehen!
Meine heutige Erkenntnis: wenn dir äußere Umstände deine Stimmung vermiesen wollen, ändere deine Einstellung.
Mein heutiger Tag: 26,31 km, 6h 21′, 44.537 Schritte, 1.587 kcal;


Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.