Tag 22

León – Villar de Mazarife

Leòn verlasse ich ohne Frühstück. Der Koffer muss nämlich zum 8 Uhr abgegeben werden, Frühstück gibt’s in dem Hotel erst am 8.15 und warten mag ich nicht. Ich wandere durch die menschenleere Stadt, nur wenige Pilger sind unterwegs und ich bin froh ihnen folgen zu können, denn der Weg aus der Stadt ist verworren und 3 Kilometer lang und ich habe es aufgegeben mich auf meinen Orientierungssinn zu verlassen. Es geht durch ein Industriegebiet und nach 5 Kilometer mache ich in einer Bar Rast um zu frühstücken. Tostados con tomate. Das essen die Spanier oft zum Frühstück und es ist recht gut: Olivenöl auf getoastetes Baguette und danach eine Tomatensauce (immer selbstgemacht) drauf. Ähnlich wie Bruschetta. Meinem Schienbein rede ich gut zu, es ist aber etwas schwerhörig heute.

Eingang zu ehemaligem Pilgerhospital

Es gibt heute ziemlich viele Abzweigungen zu verschiedenen Camino-Varianten, ich muss den Originalen gehen, und folge vertrauenseelig meinen Vordermännern. Moment einmal,  das sind gar keine Pilger… oh weh,  ich hoffe ich komme dort an, wo ich hin muss. Jetzt bin ich in Valverde de la Virgen. Das gibt es zwar nicht in meinem Dossier, dafür gibt es aber das hier:

… jetzt wissen wir, wo die Babies herkommen. Störche, wohin man schaut. Da gibt’s auch eine Wendelleiter hinauf und ich gehe hoch.

… und das war so ziemlich die blödeste Idee von mir, denn ich muss ja auch wieder runter. Und ich hab Höhenangst ohne Glas oder Geländer. Und das Geländer geht mir nur bis zur Hüfte. Und dann wird mir schwindlig und schlecht. Aber: eine Stufe nach der anderen, das klappt auch hier.

Ich muss mich schon wieder für einen Weg entscheiden und nehme –  den falschen. Endlose Kilometer wandere ich zwischen Autobahn (links) und Schnellstraße (rechts) entlang. Aber da ist doch das blaue Muscheldings mit Pfeil! – also weiter.

Ich verzage nicht und mache in einem Ort Rast, den mein Handy nicht kennt. Das sei ihm verziehen,  ich kenne ja auch nicht alle Orte dieser Welt. Der Ort besteht aus einer Autobahnraststätte und diese hat den Charme einer solchen. Ich muss hart an mich halten um nicht nach dem nächsten Besen Ausschau zu halten. Die Spanier scheint das aber nicht zu stören, sie machen anscheinend ihren Sonntags Ausflug hierher, es gibt sogar eine Geburtstagsfeier mit Luftballons – möchte wissen was das Geburtstagskind verbrochen hat um hier feiern zu müssen.

Ich gehe weiter, mein Navi verspricht mir:  noch 6 Kilometer,  will aber unbedingt, dass ich links abbiege. Das Pilgerschild und ich wollen das aber nicht. Zwei mal geht das gut, die Strecke wird neu berechnet, aber beim dritten Mal verlängert sich mein Weg bei jedem Schritt. Moment mal. So geht das nicht, also folge ich dem Navi, es hat die stärkeren Waffen. Haben sich die Pilger früher auch mit so einem Mist herumschlagen müssen? Ich finde mich auf einer Straße LE-413 wieder, die stark an eine Autobahn erinnert. Ich bin sehr am Zweifeln,  aber da sehe ich links eine Mautstelle, und ich gehe ja gerade aus. Also alles gut.

Außerdem bahnt sich ein mächtiges Gewitter an und ich lege einen Zahn zu. Von Schneckentempo zu rasender Schnecke. Das Gewitter jagt mich fast vor sich her, kaum werde ich langsamer, werde ich auch schon nass. Also mache ich,  was ich noch nie im Leben getan habe: Hand ausstrecken, Daumen hoch und lieb lächeln. Nützt aber nix, wer will schon einen humpelnden, tropfnassen grünen (wegen des Regenponchos) Gartenzwerg mitnehmen? Ein entgegenkommender Autofahrer hält an. Ich nenne mein Ziel,  er: „cuatro kilómetro“, ebenfalls Daumen hoch und fährt los. Ich bin wenig erfreut, mein Navi hat mir drei versprochen. Und die ziehen sich, unwahrscheinlich.

Irgendwann komme ich doch noch an, in meiner Albergue, und ich sehe vom Eingang aus gleich Jenes:

Oh nein, oh nein! – Aber: ist eh nicht meine Quartier. Ich bekomme mein eigenes Zimmer. So viel Glück aber auch! Es gibt sogar eine Waschmaschine und ich bin hart am Zweifeln, ob sie die Waschmaschine meines Vertrauens ist:

Egal jetzt, rechts daneben steht der Sack mit Waschmittel, da kommt eben die doppelte Menge hinein.

Bin heute nahe an meine Grenzen gekommen, mal schauen, was der nächste Tag mit sich bringt. (und damit meine ich nicht nur die Waschmaschine!)

Erkenntnis des Tages: viel Waschmittel wirkt manchmal mehr

Mein heutiger Tag: 31,83 km, 6h 54′, 43.844 Schritte, 1.382 kcal;

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