Villar de Mazarife – Astorga
Nach meinem gestrigen Umweg- Desaster beschließe ich die heutige erste Etappe zu überspringen und lassen mich mit dem Taxi zum nächsten Ort bringen. Nochmals 31 Kilometer sind mir zuviel. Ich starte im Villarges de Orbigo, bin nach 3 Kilometern schon in Santibáñez de Valdeiglesias. Ich suche eine Bar auf für’s Aseo. Rufe laut „Olà“ – niemand da. Beim Verlassen kommt plötzlich der alte Patròn und schreit mich an. Redet was von 1 Euro. Ich beschwichtigen ihn, sage – auf Deutsch – ich zahle doch, und er soll sich nicht so aufregen, lege den Euro hin und sage ihm er soll nicht so unhöflich sein, ich bin es ja auch nicht.
Aber er schimpft spanisch weiter. Sinnlos. Ich verlasse die Bar, da kommt er hinter mir her, schreit weiter, noch lauter und wirft mir eine Münze fest genau auf meine Stirne. Ich bin geschockt. Das hat noch nie jemand mit mir gemacht. Ich hebe die Münze auf, es sind 20 Cent, er hat also gewechselt …und will schon weiter gehen. Aber das kann ich mir nicht gefallen lassen. Für mich war das eine fürchterliche Demütigung. Also gehe ich wieder hinein, und jetzt schreie ich gleich los: was ihm eigentlich einfällt, ob er vollkommen loco ist, und NIEMAND wirft mir irgend etwas an den Kopf, und er ist ein dummer Mensch. Ich bin richtig in Rage. Wir schreien uns gegenseitig an, jeder in seiner Sprache. Dann nimmt er einen Besen, zuerst quer um sich zu verteidigen, dann zielt er mit den dreckigen Borsten auf mich. Ich lass mich aber nicht einschüchtern, schrei noch ein bisschen rum und gehe dann Türen knallend hinaus.
So etwas hab ich noch nie erlebt. Ich bin so aufgebracht, ich brauche die nächsten 8 Kilometer um mich etwas zu sammeln, – und dann suche ich in meiner Übersetzungs-App nach Schimpfwörtern.
Die nächsten Kilometer absolviere ich mechanisch, denke immer wieder über die erlebte Situation nach.




Auch diese nette Geste eines jungen spanischen Pärchens, das Pilgern gegen eine freiwillige Spende Obst und Erfrischungen anbietet, kann mich nicht fröhlicher stimmen. Hoffentlich werden sie nicht ausgenützt.

Nach 8 Kilometer das Kreuz von Santo Toribio, im Hintergrund schon Astorgo.
Die letzten drei Kilometer sind eine Herausforderung. Aber, als hätten sie es gespürt, rufen nacheinander meine Jungs an, plaudern mit mir, und alles ist wieder viel besser.

Astorga ist eine Stadt mit vielen sehenswerten Bauten: hier das Rathaus




Die romanische Kathedrale mit vielen Kapellen und eindrucksvollem Altarbild.


… und der Bischofspalast von Gaudi. Den, und vor allem seinen Garten, schaue ich mir aber morgen genauer an.
Ich habe beschlossen mir eine Pause zu gönnen und meine morgige Etappe mit dem Bus zurück zu legen. Ein Rückschlag für mich, aber auch damit muss ich auf meinem Weg fertig werden.
Erkenntnis des Tages: Man kann noch so freundlich sein, es gibt schlechte Menschen. Man kann sich nur von ihnen fernhalten.
Mein heutiger Tag: 15.27 km, 5h 6′, 29.988 Schritte, 778 kcal;


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