Tag 26

Ponferrada – Villafranca del Bierzo

Dieses Bild von gestern muss ich unbedingt noch los werden, aufgenommen von meinem Hotelzimmerfenster aus: Hausbesitzer beim Finalisieren seiner Renovierungsarbeiten. Er hat da einen kleinen Nagel in seinen Zaun geschlagen. Jetzt passt es!

Mein Tag heute beginnt hektisch. Nicht, weil ich es bin, sondern die Kellnerin im Frühstückscafè, und das färbt ab. Sie rennt in olympischem Tempo mit gestresster Miene hin und her, aber alle Augenblicke schepperte es. Schon wieder ist ein Löffel hinunter gefallen und der verschüttete Orangensaft muss auch noch aufgewischt werden. Sie erinnert mich sehr… an mich. Wenn ich in meinem Wiener Alltag in der Früh weiß, dass mein heutiges Programm beachtlich ist, starte ich ähnlich hektisch in den Tag. Im Endeffekt bringt es aber überhaupt nichts so zu hudeln, denn die Reperaturarbeiten für die kleinen Missgeschicke sind genauso zeitaufwändig, als hätte ich in normalem Tempo meine Dinge erledigt. Etwas gelassener die Sache angehen. Das werde ich mir für Wien merken. – hoffentlich.

Ponteferrada ist eine sehr interessante Stadt. Leider waren meine Füße gestern nicht mehr dazu zu bewegen auch nur einen Millimeter zu gehen, also informiere ich mich beim Weggehen darüber, was ich alles versäumt hab:

Templerfestung von Ponteferrada
Uhrturm, 16. Jhdt.

Die Templerfestung stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Tempelritter waren die Beschützer der Pilger. Wo war mein Tempelritter als ich das Problem mit dem loco Wirten hatte??

Es geht heute unspektakulär durch einige Dörfer. Insbesondere die Balkonarchitektur von Columbrianos ist mir ins Auge gestochen:

Und hier mein Lieblingsbalkon:

Allerdings gibt es in dem Dorf auch diesen Friedhof. Mausoleen, Gräber und Urnengräber aus Marmor. Ich frage mich, wie das alles zusammen passt.

Die heutige Strecke verläuft durchwegs neben einer Landstraße. Seid ihr schon einmal zwei Stunden lang ohne Schatten neben einer Landstraße hergetrottet? Meine Waden sehen aus wie die eines Hummers. (Der hat eigentlich gar keine Waden. Also wie der Hummer selbst…) Da ich Richtung Westen gehe ist die Sonne immer im Rücken, da nützt auch Sonnencreme mit LSF 50 nix. Dann zieht ein mächtiges Gewitter auf, ich packe hektisch meinen Poncho aus (jetzt ist keine Zeit für gelassene Achtsamkeit) und werfe ihn mir über. Der Himmel hat es sich aber anders überlegt und spuckt nur 2-3 Tröpfchen aus. Unter dem Poncho herrscht binnen kürzester Zeit die Temperatur eines Dampfgarers. Das hält ja kein Mensch aus. Poncho wieder runter und in der Hand weiter tragen, es sind ja nur noch 3 Kilometer.

Ich komme an diesem skurrilen Shop vorbei. Hier kann man Skulpturen auf Bestellung kaufen. Ich überlege schon…. aber als Handgepäck geht das wohl nicht durch.

Die drei Kilometer sind noch immer nicht zu Ende und der Poncho in meiner schwitzigen Hand nervt ungemein, aber schließlich komme ich doch noch nach Villafranca, das an Burgen und Adelshäusern auch Einiges zu bieten hat.

Barockpalast des Markgrafen Torquemada
Iglesia de San Nicolas

Endlich erreiche ich mein Hostal, und kaum öffne ich die Türe, kracht es, und ein mächtiger Regenguss prasselt auf die Erde nieder. Gerade einmal geschafft!

Erkenntnis des Tages: Wenn du es eilig hast werde langsamer. Hudeln bringt nichts – außer, ein Gewitter verfolgt dich!

Mein heutiger Tag: 24,44 km, 6h 4′, 43.511 Schritte, 1.747 kcal;

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