Villafranca del Bierzo – O Cebreiro
Tag 27! Nächste Woche um die Zeit bin ich in Santiago! … Entschuldigung, das war jetzt wenig achtsam. Werde bis dahin noch jeden Kilometer genießen. 😌
Nach dem Frühstück (hab schon fast Croissant-Entzugserscheinungen!) mach ich mich auf den Weg. Heute wieder ein straffes Programm von 28 Kilometern vor mir mit anspruchsvollem Aufstieg. Ich treffe das nette deutsche Pärchen wieder und wir gehen einige Kilometer gemeinsam. Erzählen von unseren Leben. Die Zeit vergeht schnell, aber durch die Ablenkung des Gespräches bekomme ich von der Gegend kaum etwas mit. Ich passe mein Tempo ihrem an (sie sind flotter unterwegs als ich) und ich merke, das ist nicht mein Weg. Ich gehe gerne alleine und hänge meinen Gedanken nach.

Bei der berühmten Waschmaschine des Caminos trennen sich dann unsere Wege weil ich nochmals zurückkehre und auch noch ein Foto mit der Kodak Instantkamera schießen möchte.
Es beginnen fünf herausfordernde Kilometer durch den Wald steil bergauf auf einem matschigen Weg. Es gibt ja diese Pilger in Sandalen. Hässlich und überall offen (die Sandalen). Wie die das Stück damit bewältigen ist mir schleierhaft, aber sie tun es.


In La Faba die erste längere Rast. Der Wirt hier mag es auch gemütlich!

… und er hat Sinn für Humor!

Irgendwann mitten auf meinem steinigen Weg verlasse ich die Region Castilla y Leòn und betrete Galicia.

So, jetzt hab ich’s geschafft, denke ich. Leider noch nie so geirrt im Leben. So etwas von steil hab ich überhaupt noch nicht gesehen und schon gar nicht bewandert! Und 5 Kilometer steil sind anders als 5 Kilometer flach!

Aber irgendwann geht auch der schlimmste Alptraum vorüber und ich finde mich in O Cebreiro wieder.



Es ist einer der ältesten Orte am Jakobsweg und einer der ersten, der Pilger willkommen geheißen hat. Ursprünglich waren die runden Häuser keltischen Ursprungs mit Stroh gedeckt, und die Familien wohnten mit dem Vieh unter einem Dach. – Geschichtsstunde beendet.


In der Kirche Santa Maria La Real findet heute eine Pilgermesse statt. Der Priester ist Alleinunterhalter mit Musik vom Handy.

Zum Schluss bekommt jeder Pilger noch einen Segen und einen kleinen Stein der ihm den Weg weisen soll. Ich hoffe, meiner schafft das.


Ich hab ja schon öfters erwähnt, dass ein paar Orte ein wenig mehr Marketing nötig hätten. Nun weiß ich, wo die Experten dafür zu Hause sind…
Erkenntnis des Tages: wenn ich meine Umgebung bewusst wahrnehmen und meine Gedanken schweifen lassen möchte brauche ich dazu Stille.
Mein heutiger Tag: 28,4 Kilometer, 7h 4′, 45.051 Schritte, 1.901 kcal;


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