Palas de Rei – Arzua
Ich muss noch von meiner genialen Alarmanlage berichten: mein gestriges Zimmer war ebenerdig mit einem Fenster zur Straße, das nur ganz auf oder ganz geschlossen bleiben konnte. Meines musste offen bleiben. Abends machte ich mir aber meine Gedanken über böse Menschen, das Eindringen in mein Zimmer war ja recht einfach. Und so konstruierte ich eine schräge Alarmanlage mit Hilfe des Vorhanges, der Nachttischlampe und meines Koffers. Man kann sich das ungefähr vorstellen, Skizze habe ich keine gemacht. Hat bestens funktioniert: kein Böser war da und ich die halbe Nacht wach.

Der Morgen beginnt nass. Keine Panik, ich bin bestens ausgerüstet. Regenhose, Regenponcho, alles top.


Gut gelaunt geht es los. Durch kleinere Dörfer bis zur alten Brücke (Ponte Velha) nach Furelas.


Dann denkt sich der Wettergott wohl er muss für etwas action sorgen und gibt so richtig Gas.

Auf dem Waldweg entstehen braune Sturzbäche, das Regengewand klebt an mir und auch meine Schuhe lassen erstmals Wasser spüren. Der Vorteil ist, dass ich ziemlich alleine unterwegs bin. Keine Studentengrppen, keine Pilgertouristen mit Regenschirmen. Aber das ist jetzt schon sehr nass, unter dem Poncho, darüber, einfach überall. Aber ich hab keine andere Möglichkeit: da muss ich jetzt durch. Also weiter durch matschige Wege, als Kind hab ich das doch auch lustig gefunden, oder?



In O Coto betrete ich die letzte Provinz meines Weges: A Coruña. In mir macht sich bereits Abschiedsstimmung breit. Ich denke an Wien und freue mich schon darauf meine Familie nach fünf langen Wochen wieder zu sehen.
Auf der Hälfte meiner Strecke komme ich nach Melide. Der Ort ist bekannt für seine „Pulperias“ – kleine Tabernas in denen man ausschließlich galicischen Tintenfisch und Ribeiro Rotwein bekommt. Die Versuchung ist groß, aber ich bleibe standhaft. Wenn ich mich da jetzt hineinsetze kann ich den Rest der Strecke vergessen. Außerdem bin ich so nass, dass mich jeder Wirt sicher schräg anschauen würde. Also motiviere ich mich nochmals und erledige die letzten 14 Kilometer fast im Laufschritt bis nach Arzúa. Von dort rufe ich meinen Transport weil sich mein Hotel 10 Kilometer außerhalb in Dombodàn befindet. Das Hotel ist gleich neben der Kirche und diesmal besonders hübsch:





Um an meine Pilger-Matura von gestern anzuknüpfen: ich finde, das war ein glatter 1er heute. So viel Wasser auf einmal muss man einmal aushalten!
Meine heutige Erkenntnis: Wenn du dich an die äußeren Umstände nicht anpassen kannst, musst du sie hinnehmen.
Mein heutiger Tag: 28,5 km, 7h 42′, 63.420 Schritte, 2.950 kcal;


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