Estella – Los Arcos
Punkt 7 Uhr weckt mich Merlin am Klavier mit “ I am not the only one“. Schatz, du spielst wunderbar, aber das mit der Lautstärke meines Weckertones an Handy muss ich noch irgendwie hinkriegen, sonst krieg ich jeden Tag um 7 einen Herzinfarkt. Das Duell Koffer-Barbara gewinnt heute eindeutig der Koffer. Muss zwei Mal umpacken, erst dann lässt er mich gnädig den Reißverschluss zumachen. Das Frühstücks-Croissant ist heute nicht schlecht, man kann es auch auseinander zupfen und es hat genug Butter, trotzdem ist es nicht so flaumig- weich wie gewünscht. Note: 2






Aus Estella heraußen hat ein kreativer Spanier eine Schmiede und verkauft nette Dinge. – Sachen, die die Welt nicht braucht, würde Erwin sagen, aber ich werde natürlich fündig. Er schenkt mir dann noch ein kleines Jakobs-Kreuz das von nun an als Glücksbringer in meinem Geldbörserl wohnt. 100 Meter weiter die nächste Überraschung: es gibt einen Weinbrunnen! Wasserflasche ist in Nu ausgeleert und mit wirklich hervorragendem Rotwein gefüllt. Und das um 9 Uhr morgens, der heutige Tag wird eindeutig lustig.


Weitere 500 Meter später stellt sich mir die Frage: links oder rechts? Aber da die zwei nervigen Texanerinnen den flachen rechten Weg nehmen, ist meine Entscheidung schnell gefällt. Und ich bin froh darüber! Zwei Stunden lang treffe ich niemanden, nur eine rüstige Irin mit ihren zwei erwachsenen Kindern überholt mich mit forschem Schritt. Von wo ich komme, und welche Sprache spricht man denn in Austria? So wie in der Schweiz? – Nein. Wieso weiß man in Irland nicht, dass man in Austria Deutsch spricht? Und das ist nicht so, wie in der Schweiz (sorry, Ronni!). Sie ziehen von dannen und ich habe die Natur wieder für mich allein. Hurra.

Entlang des Weges entdecke ich auf einem Stein diesen kleinen Freund hier. Ich mache ein Foto mit dem Handy und will schon weitergehen, da fällt mir ein, dass er der Star des Tages sein könnte. – Meine Burschen haben mir für den Camino eine Kodak Instant-Kamera geschenkt mit der ich jeden Tag ein Bild aufnehmen soll – das „Bild des Tages“. Also krame ich sie aus dem Rucksack heraus, und zwecks bester Kameraposition lege ich mich quer über den Weg auf den Bauch, den Schmetterling 10 cm vom Objektiv entfernt, damit er ja groß und deutlich zu sehen ist. Jetzt bin ich doppelt froh, dass hier keine Pilger des Weges kommen, die hätten sicherlich sofort 112 gerufen.




In meiner Pension angekommen nehme ich wieder die Aktion „Waschtag“ in Angriff. Nach der gestrigen Erfahrung schnappe ich meinen Koffer, renne in mein Zimmer, Koffer auf, Schmutzwäsche raus, noch in Flip Flops hinein, so viel Zeit muss sein, und hinunter zur Waschmaschine. Glück gehabt. Die Unterhosen vom Vordermann brauchen nur noch 7 Minuten. Noch zur Rezeption, Geld wechseln auf 2×2 Euro, neue Pilger sind schon da, aber hehe, ich war schneller. Und da macht der eine Neuankömmling mit seinen Riesenstiefeln einen Schritt zurück, genau auf meine Flip Flop-Zehen!!! Ist der t……? Ich kann vor Schreck gar nichts sagen. Er auch nicht, klopft mir nur dauernd auf die Schulter, nickt und redet irgendwas. Aber ich merke, am liebsten würde er im Erdboden versinken. Na gut. Kann passieren. Eine halbe Stunde später ist meine Garderobe frisch duftend und ich erkläre meinem Nachfolger noch, was zu tun ist. Ja, Waschmittel muss auch hinein in die Maschine (gilt auch für dich, Erwin! 😘) So, alles fertig, teile mit einem Kanadier eine Wäschespinne, ab in die Bodega, ich hab schon Hunger!
Aaron, der Ostheopath meines Vertrauens in Pamplona, hat mir Übungen zur Stärkung meines Knies gezeigt. Aber: sorry, Aaron, ich bin so groggy jeden Abend, ich kann kaum noch die Zahnpasta aus der Tube drücken. Das wird nix mehr mit der Stärkung der Muskeln!
Erkenntnis des Tages: manchmal lohnt es sich den steileren Weg zu nehmen!
Heutiger Tag: 24,94 Kilometer, 34.914 Schritte, 2147 kcal


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