Tag 10

Santo Domingo de la Calzada – Belorado

Um 5 Uhr früh beschließen meine Zimmernachbarn, dass ich genug geschlafen habe. Das deutsche Paar ist mir schon gestern Abend aufgefallen. Er, cirka 55, weiß viel zu erzählen. Sie, cirka 65 mit sportlichem Kurzhaarschnitt, gibt sich wie 45 und lacht über jede seiner Meldungen. Nun erklärt er ihr gerade die heutige Etappe. Ah, dahin geht es also. Dann kann sie sich nicht entscheiden zwischen weißem oder grünem Shirt. Ihm ist es egal – typisch Mann. Es wird noch allerlei besprochen, dann: rumms. Die Türe ist zu. Endlich. Seltsamer Weise geht dann das Licht in meinem Zimmer an. Bitte! Ich will doch nur schlafen!!

Mein Koffer und ich sind heute ein eingeschworenes Team. Auch er erkennt das Dilemma: der Platz, an dem er liegt, ist direkt vor der Zimmertüre und es ist kein Platz für mich drum herum um ihn zu schließen. Das muss ich quasi per Fernwartung tun. Oder via Skype-Gespräch.😀 Er ist aber kooperativ, und so schaffen wir auch das.

Das heutige Croissant sieht vielversprechend aus, aber ich wusste nicht, dass es auch so geschmacklos geht. Mit ein bisschen Butter geht’s aber. Zwischen 2 und 3 deshalb. – Soll ich mich langsam um meinen Cholesterin-Wert sorgen?

immer wieder sehenswert

Schließlich gehe ich los, Dank meines Zimmernachbarn weiß ich ja bereits, wohin. Nach 8 Kilometern verlasse ich Rioja und betrete Castilla y León, welches für die nächsten zwei Wochen mein neues Zuhause sein wird. Die rote Erde weicht Feldwegen aus Sandstein. Ich erreiche Viloria de Rioja, wo 1019 Santo Domingo de Calzada geboren wurde. Den kennen wir ja bereits.

Grenze zwischen Rioja und Castilla y Leòn

Der Himmel weiß heute nicht: will er, dass ich mein Regenzeug anziehe, oder nicht? Ich weiß es auch nicht. Bei einer Rast in Villamayor del Rio treffe ich das nette ältere deutsche Pärchen von letzter Woche wieder. Sie orientieren sich mit Hilfe eines Planes, den er vor 15 Jahren bei Aldi gekauft hat. Dieser besteht aus einem Spiralblock mit einzelnen A6-großen Blättern die er kunstvoll überlappend auflegt um sein nächstes Ziel zu erahnen. Er nennt ihn „Spiralo-Man“. Ich mache große Augen. Mit diesem Plan wäre ich jetzt wahrscheinlich in Barcelona. Ich schicke ihm kurzer Hand mein Dossier per Mail, das sehr genau und umfangreich die einzelnen Etappen erklärt – damit wir auch alle in Santiago landen!

Mit der Orientierung ist das bei uns nämlich so eine Sache: wenn mein Mann und ich einen Termin haben, fahren wir aus der Garage und er gibt erst einmal Gas. Nach 2 Minuten, er: „Wo müssen wir eigentlich hin?“ Ich nenne ihm das Ziel und dann: „Du musst nach rechts!“ Mein Mann gibt dem Blinker raus und biegt links ab – und hat damit leider fast immer recht.

Mein heutiges Hostel liegt direkt am Camino und ist wirklich sehr hübsch anzusehen. Nur leider wird meine böse Vorahnung wahr: 29 enge Stufen und kein Aufzug. Na, da ich bin mal gespannt!

Heutige Erkenntnis: vielleicht bin ich doch nicht so ein Orientierungs-Genie. Ich brauche gelbe Pfeile und Muscheln um zu wissen, wohin!

Mein heutiger Tag: 24.18 Kilometer, 36.560 Schritte, 6h 18 min, 1147 kcal;

2 Kommentare zu „Tag 10“

  1. Avatar von Marianne Frömmel
    Marianne Frömmel

    Viele wunderbare Fotos ergänzen die ganz besonders ansprechenden, informierenden Tagesberichte! Ich gehe den Jakobsweg in bester Begleitung einfach mit SUPER👍

    1. Avatar von admin

      Vielen Dank, dass du mich begleitest!

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