Tag 8


Logroño – Nájera

Es weckt mich leise Klaviermusik. – Ich konnte die Lautstärke meines Wecktones einstellen. Heute ist Muttertag! Normalerweise kommen an diesem Tag meine Jungs zu Mittag und bereiten mir ein 4- gängiges Menü. Ich werde von meinen drei Männern verwöhnt, wir essen den ganzen Tag  lang, und es ist sehr gemütlich. Naja. Heute wohl nicht. Ich öffne die Jalousien – hab ich mich in der Zeit geirrt? Nein. Es ist tatsächlich so dunkel. Es dürfte heute wohl etwas regnerisch werden.

ESC Abend-Menü

Mit meinem Koffer hab ich noch ein Täuschungsmanöver vor: Erwin erzählte mir gestern, dass er zu einer ESC-Party eingeladen hat. Ich dachte: was für eine nette Idee und habe auch gleich in der Alimentaçion eingekauft. Hab allerdings nicht bedacht, dass ich mein einziger Gast sein werde. Getrunken wurde nur das Fanta. Was mach ich jetzt mit dem Wein? Den packe ich in ein Sackerl und in einen Pullover. Fällt gar nicht auf. Der Koffer überreißt das trotzdem. Aber ich bin stärker! Das Frühstücksbuffet bietet Eierspeise (leider wassrig) und ein seltsames Croissant, halb so groß wie normal und hart, aber mit Butter geht’s. Wegen gutem Geschmacks (und der vielen Butter) immerhin eine 3.

um 8 Uhr früh im verregneten Logroño – wieder einmal kein Mensch da, außer den Pilgern

Aus dem Hotel draußen bin ich gleich wieder am Camino, und die erste Strecke führt durch einen netten Park mit allerlei Getier und diesem frechen Eichhörnchen, das den Pilgern auch noch ihre letzte Nuss abschnorren will.

Die Rose des Camino de Santiago in ihrer schönsten Blüte

Kurz vor Navarreto fängt es an zu regnen. Dann schüttet es. Dann kommt Sturm dazu. Aber man muss es immer positiv sehen. Es könnten ja auch mein Knie oder meine Blase schmerzen, oder die Schuhe nass werden… so ist es nur kalt, nass und grauslich. Die Hose klebt zwar nass an meinen Beinen, aber die Kühlung tut meinen Knien sicher gut. Und dann merke ich, wie meine Zehen langsam nass werden… Also suche ich mir eine Bodega, komme dabei an einer wunderschönen Kirche vorbei, in der ich natürlich ein Licht anzünden muss, nehme dort ein Tapa (in der Bodega) und ziehe meine Regenhose an.

Kaum bin ich draußen merke ich: es hat aufgehört zu regnen. Super. Regenzeug bleibt an, man weiß ja nie. Nach 10 Minuten dampfe ich wie ein Teekessel. Also raus aus der Montur. Der Abschnitt verspricht zwei progressive Steigungen. Da ich nun weiß was das bedeutet, freue ich mich gleich doppelt. Ich nehme die erste in Angriff, da fängt es an zu schütten. Na das gibt’s jetzt aber nicht. Ich gehe noch ein Stück weiter progressiv bergauf, da sehe ich einen kleinen Pavillon. Dort treffe ich ein Wiener Pärchen und wir schwelgen in Heimatgefühlen während ich mich wieder adjustiere. Nehme mir gleich einen Apfel, damit mein Körper sich freut, und gehe weiter. Fünf Minuten später überholen mich die Wiener. Sie: „Jö, die Sonne kommt! “ Ach ja, es hat ja aufgehört zu regnen…

Ein Stück weiter entdecke ich Ausgrabungen eines alten Hospitals. An dieser Stelle hat man nun ein Spital für Pilger gebaut (im Hintergrund). Noch 10 Kilometer bis Nàjera, da sehe ich dieses Häuschen und lese nach: hier fand der legendäre Kampf zwischen Roland und dem Riesen Ferragut statt. In diesen Häuschen fanden die Bauern Zuflucht. – Vor dem Riesen Ferragut?

Noch eine Stunde, dann ist mein Tagessoll geschafft und ich erreiche Nàjera. Nicht wirklich eine Augenweide, die Stadt, aber das ist mir egal. In meinem Zimmer genehmige ich mir das Packerl Chips von gestern. Einen gesunden Apfel hatte ich ja schon!

Meine heutige Erkenntnis: suche das Gute in jedem Augenblick. Es könnte noch schlechter sein.

Mein heutiger Weg: 28,8 Kilometer, 45.132 Schritte, 2380 kcal.


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