Roncesvalles – Akerreta


Noch ein Nachtrag zu Tag 1: die Kuh steht mitten in den Pyrenäen. Was ich mit dem Bild erzählen will: zeitweise ist es dort so still, dass man die Kühe in der Weide ihr Gras abrupfen hört. Hier hat sie mir noch still „buen camino“ gewunschen.
Und noch etwas gibt es zu berichten: in den Pyrenäen sind Hunde verboten. Nur Hirten dürfen Hunde haben. Unter diesen Hirten darf man sich aber keine Almöhis à la Heidi vorstellen, sondern junge Männer mit strammen Wadeln, die auf das dortige Vieh aufpassen. Mit ihrem Hund. Und der folgt ihnen auf den Fingerzeig und ist schnell, wie der Wind. Schön, dass es solche Berufe noch gibt!
Aber nun zu Tag 2, zu dessen Beginn ich festgestellt hab, dass die Spanier ebenfalls weltbeste Croissants backen können!! Zieht man an einem Spitz an, ent-wickelt es sich zu seinem fluffig- flaumigen Innenteil und seine knusprig-blättrigen Hülle. Welch ein Genuss! Ich wechsle vom Produkt- Tester für Blasenpflaster zum Genuss-Tester für Croissants. Ich halte euch auf dem Laufenden!


Nach dem formidablen Frühstück geht’s Richtung Zubiri. Den Muskelkater ignoriere ich, und nach 3 Kilometer gibt er auf, nur um sich bei Kilometer 17 in voller Wucht wieder in Szene zu setzen. Ich merke, dass ich deutlich langsamer werde. Eigentlich werd ich nur noch überholt… bis auf die cirka 70 jährige Pilgerin mit einer Krücke, einem Burger King-Sackerl und hochrotem Gesicht. An der schleiche ich vorbei. Frage sie besorgt: çava? Und sie: ça- schnauf- va. ok. Weiter geht’s. Die Strecke hat drei wirklich anspruchsvolle Steigungen, aber meine Uhr verspricht mir: „Ihre Herzfrequenz beträgt 129 Schläge pro Minute.“ Ich glaube, sie will mich nur nicht aufregen.

Hinunter ist’s dann noch schlimmer. Drei Kilometer steil bergab auf stark zerfurchten Wegen. Mehr hab ich jetzt nicht gebraucht.
Die Pilger ziehen wieder an mir vorbei. Aber ob sie auch den hübschen kleinen Friedhof oder das selbstgemachte Bienenhotel gesehen haben?




Zubiri überrascht mich mit einem kleinen, eiskalten Bach. Herrlich für meine geschundenen Füße!

Es kann gar nicht kalt genug sein!
Noch sechs Kilometer bis zu meinem Quartier, und dann das:

Ein riesiger Steinbruch mitten in der Idylle. Danke, Herr Stronach. Nachdem ich das Foto geschossen hab, taucht plötzlich die Poliçia neben mir auf. fährt vorbei, dreht um, fährt wieder zurück. Ich (mit Pilgergrinsen im Gesicht): Olá! Poliçia (nicht so freundlich): Olá. Na bitte. Geht doch.

Jetzt gehört der Weg wieder den Pilgern. Das Fabriksgelände erstreckt sich von Zubiri bis zur nächsten Ortschaft und ist mit Stacheldraht umzäunt – nicht wirklich eine Augeweide.


Endlich erreiche ich mein Quartier. Ganz wunderbare Aussicht aus dem Fenster meines Zimmers des Landhotels inmitten der Natur. Obwohl: der Balkon ist wohl nicht der Balkon meines Vertrauens…
Und nun noch die Erkenntnis des Tages: Kofferpacken ist eine langwierige, nervenaufreibende Kunst, die ich wohl nie beherrschen werde. Und freu dich nicht zu früh, wenn er endlich zu ist, irgendwo gibt es noch ein Paar Flip Flops, das dich frech anlacht!
Mein heutiger Tag: 26,3 km, 6h 52′, 2.567 kcal;


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