Los Arcos – Logroño
Ich wache 5 Minuten vor 7 auf, bevor Merlin mich mit einem Herzinfarkt versehen kann. Fünf Minuten später höre ich drei verschiedene Klingeltöne durch die löschblattpapierdünnen Wände meiner Pension. Mein Koffer ist heute gnädig mit mir, anscheinend findet er sich langsam mit der Situation ab. Ich verlasse mein Zimmer und schaue in 3 Zimmer junger Mitpilger, deren Türen alle offen sind. Schließt man heutzutage keine Zimmertüren mehr? Es wird synchron Zähne geputzt. Als eine junge Pilgerin anfängt zu singen, und die anderen miteinstimmen verlasse ich fluchtartig das Stockwerk und suche den Frühstücksraum. So viel Fröhlichkeit am Morgen ist mir suspekt. Dort finde ich heute kein Croissant, dafür aber den Rest der munteren Truppe, anscheinend amerikanische Pfadfinder, angeführt von einem über-adjustierten Redelsführer mit Dauergrinsen, der selbst beim Essen seinen Pilgerhut nicht absetzt. Das ist mir zuviel. Ich schnappe mir mein Käsebrot und mache mich auf den Weg. Der Anschluss zum Camino ist schnell gefunden. An der Dorfkirche verrichtet ein kleiner, süßer Hund gerade sein Geschäft. Ich würde ihn am liebsten adoptieren. Beim Dorfausgang kommt eine Frau in Bademantel mit Herzchen und wirrer Frisur aus einem Haus und ruft: „Lollo, Lollo!“ In perfektem Spanisch frage ich sie: „Perro?“ Sie nickt und ich deute in Richtung Kirche. Beim Weitergehen schaue ich in den Hof des Hauses der Bademantelfrau und sehe darin vier riesige Dobermänner einander jagen. An Lollo’s Stelle würde ich auch lieber draußen spielen…


Endlich komme ich nach Viana. Da gibt’s ja Menschen! Ach so. Eine Wahl-Veranstaltung. Alles klar. Es gibt auch einen Drogerie-Markt. Daran kann ich nie vorbei gehen. Und tatsächlich: Sonnencreme mit LSF 50+ und Hyaluronsäure! Das ist super. Brauche ich heute zwar nicht, weil kaum ein blauer Fleck am Himmel, aber morgen dann bestimmt! Nach 19 Kilometern mach ich in einer Tapas-Bar die erste größere Pause. Das hab ich mir verdient! Nun verlasse ich die Provinz Navarra und komme nach Rioja. Ich hoffe, da gibt’s auch einen Weinbrunnen.


Die letzten 10 Kilometer nach Loroño, der Hauptstadt von Rioja, sind dann etwas zähe. Noch mühsamer dann, das Hotel zu finden.



Erkenntnis des Tages, diesmal von meinem Vater, den ich angerufen habe um ihm von meinem Tag zu erzählen. Beim Verabschieden hab ich ihm gesagt, dass ich mich schon auf Wien freue, ihn zu umarmen und von meiner Reise zu berichten. Er: „Denk‘ nicht schon wieder an Wien, sondern genieße den Augenblick.“ -Weise Worte eines 91-jährigen. Danke, Papa! ❤️
Heutiger Tag: 29,4 km, 46.330 Schritte, 2420 kcal, die ich gerade wieder auffülle. 😀

Frittierter Oktopus und Patatas bravas


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