Tag 17

Carrión de Los Condes – Calzadilla de la Cueza

Tag 17 ist Halbzeit! Ich kann es kaum glauben. Noch 17 Tage und unzählige Schritte, dann bin ich in Santiago. Für heute stehen nur 17 Kilometer an. Ein Klacks.

Beim Ortsausgang entdecke ich noch einen Romeo und Julia-Balkon, dann überquere ich den Fluss Carión und erreiche das Benediktinerkloster San Zoilo.

Heute beherbergt es ein Hotel und ein Dokumentationszentrum für den Jakobsweg. Aber leider zu,  entweder noch zu früh oder schon auf Mittagspause, was weiß ich…

Bei dieser Markierung geht’s dann auf die Via Aquitana, einer alten Römerstraße, die auch noch nach 2000 Jahren teilweise original so erhalten ist. Und auf der wandere ich. Eeewig lang, es gibt hier nichts.  Kein Café, keine Bar, nur 2 Steintische, jedoch ist es zu kalt um dort länger zu verweilen. Pause machen ist also nicht drin.

Ein Bauer macht Strohballen, Aber das war’s dann auch schon mit Unterhaltung. Und so bin ich nach zügigen 4 Stunden in meinem Bestimmungsort angekommen – und staune:  da ist ja noch mehr von… Nichts. Es gibt mein Hostel. Zugegeben innen sehr ambitioniert dekoriert:

Hier mit dem Patròn, verantwortlich für die Begrünung

Aber sonst: Nichts.

Ausblick aus meinem Fenster,  lässt sich auf 360° ausdehnen

So. Da bin ich also. Und jetzt? Ich gehe vor das Hostel, setzte mich auf einen der Plastiksessel und überlege, was ich jetzt anstellen könnte. Eine Kalifornierin setzt sich dazu und ich frage sie ungläubig:  gibt’s hier wirklich NICHTS? Und sie, strahlend:  Ja, ist das nicht toll? Wann habe ich denn sonst Zeit, Nichts zu tun? Es ist großartig! Die Felder, die Sonne, der Himmel… Eigentlich hat sie recht. Ich beobachte eine Mohnblume beim Hin- und Herwackeln im Wind. Ja, kann man schon anschauen. Dann ruft der Göttergatte an und will etwas Geschäftliches wissen. Er ist nicht so gechillt wie ich, das merke ich gleich. Aber ich, in meiner Mohnblumen-Beobachtungsphase, höre geduldig seinen Schimpftiraden, weil irgend ein Internet-Zeugs nicht geht, zu, und erkläre, wo ich kann. Und, schau an: Fall gelöst. Er noch zum Schluss:  jetzt hab ich eine halbe Stunde versch… wegen dem Sch…, obwohl ich noch so viel zu tun hab. Ich schreibe ihm dann ein achtsames WhatsApp: Schatz, du hast nicht eine halbe Stunde versch…, du hast eine halbe Stunde mit deiner lieben Frau geplaudert! So geht das!

Jetzt brauch ich was zur Beruhigung – bin ja auch noch am Lernen – nehme mir von der Eistruhe ein Magnum und bestelle an der Bar una Sangria. Pepe, der Sohn vom Patròn macht sich daran. Währenddessen stellt sich der Patròn neben mich, löffelt ein übrig gebliebenes Joghurt und wir führen Smalltalk. Er erklärt mir, wie grauslich das Joghurt ist und verlangt von Pepe zwei Zuckerpackerl, die er ins Joghurt rührt. Ich beobachte derweil Pepe bei seiner akribischen Zubereitung, fürchte langsam um den Zustand meines Eises und halte den Patron davon ab noch ein 3. Zuckerpackerl ins Joghurt zu kippen. Pepe ist endlich fertig, mein Eis fast geschmolzen, die Sangria aber sehr gut. Hier das Rezept:

  • Großes Glas mit Eiswürfeln, Orangen- und Zitronenschalen füllen
  • Ein großzügiges Achterl Rotwein hinein
  • Einen Schuss Wermut
  • Einen Schuss Bacardi Rum
  • Ein kleinen Schlückchen Fanta
  • Noch mehr Wermut
  • Noch mehr Rotwein
  • Mit einem Barlöffel das Obst quetschen und freudenstrahlend servieren

Damit gehe ich wieder zu meinem Plasiksessel, esse mein Eis und beobachte weiter die Mohnblume.

Meine Erkenntnis: Nichts zu tun ist gar nicht so einfach aber es zahlt sich wirklich aus es zu lernen.

Mein heutiger Tag: 17,47 km, 4h 1′, 29.777 Schritte, 1.354 kcal;

%d Bloggern gefällt das: